Graz, am 11. Juni 2014

Stellungnahme der AGN –
Vertragsregelung der Flugrettung in der Steiermark

 

Im Namen der Arbeitsgemeinschaft für Notfallmedizin (AGN), der steirischen Fachgesellschaft für notfallmedizinische und rettungsdienstliche Angelegenheiten, erlaube ich mir, Ihnen den Standpunkt der AGN bezüglich des nun erfolgten Vertragsabschlusses zwischen dem Land Steiermark und dem Christophorus Flugrettungs-Verein (CFV) des Österreichischen Automobil-, Motorsport- und Touring-Clubs (ÖAMTC) bezüglich der Flugrettung in der Steiermark zu übermitteln. Grundsätzlich begrüßt die AGN den Umstand, dass es nach langen Verhandlungen nun zu einer Lösung gekommen ist, die zumindest vorerst dazu führt, dass die ärztliche Besetzung der steirischen Flugrettung auch weiterhin durch jene Notärztinnen und Notärzte erfolgt, die mit höchster Qualität und großem Engagement bereits jahrelang dafür tätig waren. Insbesondere gilt es, der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes), vertreten durch den Vorstandsvorsitzenden, Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Tscheliessnigg, für die konstruktiven Beiträge und das Entgegenkommen in den Verhandlungen zu danken. Die nun erzielte Einigung beinhaltet aber, dass diese Notärztinnen und Notärzte ihre Tätigkeit in der Flugrettung nicht mehr wie bisher im Rahmen ihrer Anstellung bei den Krankenanstaltenträgern (vornehmlich KAGes und Medizinische Universität Graz), sondern im Rahmen eines Nebenbeschäftigungsverhältnisses mit dem CFV ausüben müssen. Dies ist eine frappierende Änderung gegenüber dem bisherigen Status, welchen die AGN, wie auch bereits im Offenen Brief an die steirische Landesregierung, die Landtagsklubs und die Mitglieder des Gesundheitsausschusses des Landtages vom 10. Dezember des Vorjahres (siehe Beilage) angesprochen, im Sinne einer „Privatisierung“ der notärztlichen Tätigkeit sieht und aus diesem Grund eindeutig ablehnt. Gerade im Zuge der momentan laufenden Diskussionen über die Einhaltung der europäischen Vorgaben für ärztliche Arbeitszeiten sowie im Hinblick auf den auch in der Steiermark zunehmend spürbaren Ärztemangel sieht die AGN es als dringende Notwendigkeit, auf mögliche aus dieser Regelung entstehende Probleme hinzuweisen. Aus unserer Sicht besteht die berechtigte Befürchtung, dass das Ausüben einer notärztlichen Tätigkeit im Rahmen einer Nebenbeschäftigung – in der Freizeit – schon kurz- bis mittelfristig zu arbeitsrechtlichen Problemen führen könnte. Zusätzlich besteht das Risiko, dass die den Krankenanstaltenträgern, dem CFV, letztlich aber auch der einzelnen Ärztin und dem einzelnen Arzt obliegende Abwägung der Vereinbarkeit von Haupt- und Nebenbeschäftigung Probleme bei der Rekrutierung des für diese Tätigkeit benötigten hochqualifizierten ärztlichen Personals verursacht. Die AGN weist ausdrücklich auf die Gefahr hin, dass es durch die nun ausverhandelte Lösung zunehmend zu einem Ausscheiden von gut ausgebildeten, routinierten und erfahrenen und an eine entsprechende Krankenversorgungseinrichtung angebundenen Notärztinnen und Notärzten aus dem Flugrettungsdienst und damit zu möglichen Einbußen in der Qualität der notärztlichen Versorgung der steirischen Bevölkerung kommen wird.
Hinsichtlich der für diese Qualität notwendigen Faktoren wollen wir nochmals auf die im Offenen Brief vom 10. Dezember des Vorjahres formulierten Forderungen (siehe Beilage) hinweisen:
- Professionalität durch Krankenhausanbindung des Notarztdienstes
- Professionalität durch Eingliederung des Notarztdienstes in das Arbeitszeitgesetz
- Qualität durch Reform der Strukturen und Prozesse der notfallmedizinischen und rettungsdienstlichen Versorgung
Diese Forderungen, von der AGN seit Jahren kommuniziert und im zitierten Offenen Brief der AGN in Bezug auf damalige Vorgänge das bodengebundene Notarztwesen in der Steiermark ausformuliert, gelten natürlich gleichermaßen für einen professionellen Flugrettungsdienst. Die AGN will mit dieser Stellungnahme einen Beitrag für einen weiteren Diskussionsprozess über die Notwendigkeit eines professionellen und qualitativ hochwertigen Notarzt- und Rettungsdienstes und über die dafür einzufordernden Bedingungen und Voraussetzungen leisten. Zur weiteren Intensivierung und fachlichen Unterstützung dieses Diskussionsprozesses wird die AGN im Herbst eine Enquete zu diesem Thema veranstalten und möchte Sie bereits jetzt zu dieser Veranstaltung einladen. Diesbezügliche Informationen folgen. 

 

Dr. Gernot Wildner 

 

JoomShaper
javbank fileboomporn.com