Graz, am 27. Februar 2015

Pressemitteilung: Notärztemangel und Arbeitszeitgesetz

 

Zu den Forderungen des Österreichischen Roten Kreuzes, die Tätigkeit im Notarztdienst auf Werkvertragsbasis zu erlauben, um die EU-Arbeitszeitrichtlinie zu umgehen
(Quelle: Bericht ORF Ö1-Morgenjournal vom 26.2.2015)

 

 

Mit großer Verwunderung hat die Arbeitsgemeinschaft für Notfallmedizin (AGN) die gestern veröffentlichten Aussagen des Präsidenten des Österreichischen Roten Kreuzes, Univ.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer, aufgenommen. Er fordert, dass mittels einer Ausnahmeregelung im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz ermöglicht werden soll, dass Notärztinnen und Notärzte auf Basis eines freien Dienstvertrages im Notarztdienst tätig sein können.

Von der sozialversicherungsrechtlichen Unzulässigkeit sowie steuer- und haftungsrechtlichen Fragwürdigkeit abgesehen zeugt diese Forderung von Unverständnis für das Recht der österreichischen Ärztinnen und Ärzte auf geregelte und akzeptable Arbeitsbedingungen. Genau diese Frage ist derzeit aber in einigen Bundesländern noch nicht zufriedenstellend geregelt, was ohne Zweifel Mitschuld am (Not)-Ärztemangel trägt. Dass in einzelnen Bundesländern der Notarztdienst teilweise mit dem vom Roten Kreuz gewünschten Modell besetzt wird, ist nicht „Best“, sondern hinterfragenswerte „Bad practice“.

Eine Umsetzung der Forderung würde laut Rot-Kreuz-Präsident Schöpfer „das Problem mit einem Schlag lösen.“ In Wahrheit wandern gerade aufgrund dieser Arbeitssituation zahlreiche Absolventinnen und Absolventen der österreichischen Medizinuniversitäten in das Ausland ab. Zusätzlich ist es auch häufig mangelnde Wertschätzung der Notarzttätigkeit gegenüber, die zur Verminderung der Bereitschaft führt, diese anspruchsvolle und anstrengende Tätigkeit auszuüben.

Die AGN ist sich der schwierigen Situation des Notarztdienstes und aller daran beteiligten Institutionen bewusst. Beispiele wie die derzeitige Lösung in der Steiermark und in Tirol zeigen aber, dass mittels rechtlich und sozialversicherungstechnisch unantastbarer Lösungen der Notarztdienst weitestgehend aufrechterhalten werden kann. Zur langfristigen Sicherung der Notfallversorgung bedarf es aber, wie bereits mehrfach ventiliert, innovativer und zukunftsgerichteter Lösungen. Vorschläge dazu seitens der AGN liegen auf dem Tisch.

Die vom Rot-Kreuz-Präsidenten angestrebte Lösung würde aber höchstens kurzfristig Problemzonen kaschieren, mittel- bis langfristig das Problem des Notärztemangels vermutlich noch drastisch verschlimmern. Die AGN geht davon aus, dass dies nicht im Interesse des Österreichischen Roten Kreuzes sein kann. Ganz sicher ist dies nicht im Interesse des kritisch erkrankten oder verletzten Patienten. Zur Sicherung und Verbesserung der Notfallversorgung eben dieser Menschen wird die AGN auch weiterhin ihre gesamte langjährige Expertise einsetzen und hofft auf die Zusammenarbeit aller beteiligten Stellen. Nicht durchdachten Vorschlägen und Schnellschussaktionen muss die Arbeitsgemeinschaft für Notfallmedizin im Sinne des Notfallpatienten aber auch weiterhin eine eindeutige Absage erteilen.

OA Dr. Paul Puchwein. Vorsitzender

Prim. Dr. Martin Haid, Stv. Vorsitzender

Ao. Univ-Prof. Dr. Gerhard Prause, Sekretär

 

 

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