Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft für Notfallmedizin (AGN)
zum Abschlussbericht der Kommission zur Evaluierung des Rettungswesens in der Steiermark:

Die Arbeitsgemeinschaft für Notfallmedizin Steiermark (AGN) hat den Abschlussbericht der zur Evaluierung des Rettungswesens eingesetzten Kommission sorgfältig analysiert. Wir anerkennen ausdrücklich den Umfang der geleisteten Arbeit sowie den Versuch, auf die umfangreichen Feststellungen des Landesrechnungshofes zu reagieren.

Aus fachlicher Sicht bleibt jedoch festzuhalten, dass der vorliegende Abschlussbericht die Gelegenheit zu einer grundlegenden Weiterentwicklung der präklinischen Notfallversorgung in der Steiermark nur eingeschränkt nutzt. Zahlreiche Vorschläge adressieren organisatorische, finanzielle und rechtliche Aspekte, lassen jedoch aus Sicht der AGN notwendige, strukturelle Verbesserungen vermissen.

Freiwilligkeit und Professionalisierung sind kein Widerspruch

Die AGN teilt die Einschätzung, dass die Freiwilligkeit einen wesentlichen Stellenwert im steirischen Rettungswesens besitzt und auch künftig erhalten bleiben soll. Gleichzeitig sehen wir keinen fachlichen Widerspruch zwischen Ehrenamtlichkeit und einer gezielten Professionalisierung ausgewählter Bereiche der Akutversorgung. Internationale Beispiele wie auch bestehende steirische Strukturen zeigen, dass qualifizierte Ausbildung, regelmäßiges Training und klare Aufgabenprofile die Attraktivität des Dienstes erhöhen und die Versorgungsqualität verbessern können – auch und gerade im Rahmen freiwilligen Engagements.

Sicherung der Versorgungsqualität als zentrales Ziel

Der Abschlussbericht enthält aus Sicht der AGN nur wenige konkrete Aussagen zur nachhaltigen Sicherung der medizinischen Versorgungsqualität von kritisch kranken oder verletzten Patientinnen und Patienten. Notfallmedizinische Kompetenz ist das Ergebnis von strukturierter Ausbildung, kontinuierlichem Training und ausreichender Anwendungshäufigkeit. Dies gilt gleichermaßen für ärztliches wie nicht-ärztliches Personal.

Eine zukunftsfähige Reform des Rettungswesens sollte daher stärker auf eine abgestufte, qualitätsorientierte Versorgungslogik fokussieren, bei der qualifizierte Ressourcen gezielt dort eingesetzt werden, wo sie einen nachweisbaren Nutzen bringen. Die bloße Ausweitung von Personalressourcen oder strukturelle Verschiebungen ohne klare medizinische Zieldefinition erscheinen aus Sicht der AGN nicht zielführend.

Leitstellenstruktur und Patientensteuerung

Der Abschlussbericht greift zentrale Kritikpunkte des Landesrechnungshofes an der derzeitigen Leitstellen- und Dispositionsstruktur nur eingeschränkt auf. Eine moderne Notfallversorgung erfordert transparente, trägerneutrale Entscheidungsstrukturen sowie eine klare funktionale Trennung zwischen Akutversorgung, Krankentransport und telefonischer Gesundheitsberatung.

Eine stärkere inhaltliche Weiterentwicklung der medizinischen Dispositionslogik – unter Einbindung notfallmedizinischer Expertise – wäre aus Sicht der AGN ein wesentlicher Schritt gewesen, um Fehlallokationen von Ressourcen nachhaltig zu reduzieren.

Zusammenfassende Bewertung

Die AGN erkennt an, dass der Abschlussbericht zahlreiche Detailmaßnahmen enthält, die in einzelnen Bereichen Verbesserungen ermöglichen können. Aus unserer Sicht bleibt jedoch festzuhalten, dass eine klare Vision für eine medizinisch gesteuerte, abgestufte und qualitätsorientierte Notfallversorgung in der Steiermark nicht ausreichend erkennbar ist.

Gerade vor dem Hintergrund der langjährigen notfallmedizinischen Tradition der Steiermark hätte die AGN erwartet, dass der Reformprozess mutiger genutzt wird, um strukturelle Weichenstellungen vorzunehmen und österreichweit Maßstäbe zu setzen.

Die AGN wird sich auch weiterhin konstruktiv, fachlich fundiert und unabhängig in die Diskussion um die Weiterentwicklung des steirischen Rettungswesens einbringen – im Interesse einer zeitgemäßen, effizienten und patientenzentrierten Notfallversorgung.